KOLLIMATIONSFEHLER


Die Fernrohrachse und damit auch die Visierlinie durch das Fernrohr müssen parallel zur Instrumentenebene liegen. Wird ein umgekehrtes Fernrohr verwendet, ist die Kollimationslinie eine gedachte Gerade, die durch die Mitte des Fernrohrs, das Objektiv und das Okular verläuft. Sie trifft rechtwinkelig auf das Fadenkreuz im Brennpunkt des Okulars. Diese Gerade ist die optische Achse des Fernrohrs. Sie muß parallel zur Instrumentenebene liegen.

Das Überprüfen des Sextanten auf einen vorhandenen Kollimationsfehler und das anschließende Entfernen des Fehlers hat dem Navigator wegen der dabei zu beachtenden und etwas komplizierten Vorgehensweise immer schon die meisten Schwierigkeiten bereitet. Der Fehler entsteht dadurch, dass der vom verspiegelten Teil des Horizontspiegels reflektierte Lichtstrahl nicht in der gleichen Ebene empfangen wird wie der von der Kimm. Er kann dazu führen, dass die gemessenen Winkel zu groß sind.
Bei modernen , sorgfältig gefertigten Sextanten ist es nahezu ausgeschlossen, dass das Fernrohr einen Fehler aufweist, es sei denn, das Instrument hat einen harten Schlag oder Stoß abbekommen und die Verstelleinrichtung ist verbogen. Weicht die Ausrichtung des fernrohrs so wenig von der Parallelstellung ab, dass die Abweichung nicht erkannt werden kann, wäre der sich daraus ergebende Fehler ebenfalls klein, wahrascheinlich kleiner als eine Minute.

Bevor man mit der Korrektur eines Kollimationsfehlers beginnt, müssen die ersten drei Fehler beseitigt worden sein. Zum Justieren müssen die beiden Fäden im Fadenkreuz des umkehrenden Fernrohres parallel zur Instrumentenebene gedreht werden. Das geschieht dadurch, dass ein niedrig stehender Fixstern beobachtet wird und der Zeigerarm auf drei oder vier Grad auf dem Vor- oder Hauptbogen bewegt wird.


Dadurch werden die beiden Fixsternbilder so getrennt, dass eines nahe am oberen und das andere nahe am unteren Rand des Gesichtsfeldes liegt. Jetzt stellt man eine Berührung der Begrenzung der Vertikalfäden mit dem oberen Bild her. Durch Drehen des Okulars sollten die beiden Bilder des Fixsterns in Kontakt mit derselben Begrenzung der Fäden gebracht werden. Das Fadenkreuz sollte jetzt parallel zur Instrumentenebene liegen. Falls gewünscht, könnte diese Stellung am Fernrohr markiert werden.
Ist die eben beschriebene Einstellung vorhanden, werden zwei Gestirne ausgewählt, vorzugsweise zwei Fixsterne, die einen Azi­mutunterschied von 90 bis 120 Grad aufweisen. Man bringt das reflektierte Bild des einen Sterns mit dem direkt gesehenen des anderen auf dem Faden zur Deckung, der dem Instrument am nächsten liegt. Das ist der untere Faden. Der Zeigerarm wird eingerastet. Durch leichtes Bewegen des Sextanten verschiebt man jetzt die sich deckenden Sterne zu dem Faden, der am weitesten vom Gerät entfernt ist (oberer Faden). Bleiben die Sterne weiterhin in Deckung, ist kein Fehler vorhanden. Anderenfalls ist ein Kollimationsfehler vorhanden. Will man die Sterne auf diese Art und Weise zusammenführen und den Test durchführen, so ist dafür einiges an Geschick erforderlich.

Sonne und Mond eignen sich ganz hervorragend zum Justieren dieses Fehlers. Voraussetzung ist, dass der Azimutunterschied groß genug ist. Das abgeschattete Bild der Sonne wird in der Mitte des unteren Fadens mit dem Mond in Berührung gebracht. Dann wird der Berührungspunkt durch Bewegen des Sextanten zur Mitte des oberen Fadens verschoben. Hier sollte es ebenfalls zu einer exakten Berührung kommen.
Erscheinen die Bilder getrennt auf dem oberen Faden, steht das Okularende des Fernrohres zu hoch, überlappen sich die Bilder, liegt es zu tief. Im ersten Fall wird die obere Schraube gelockert und die untere angezogen.

Überlappen sich die Bilder, geht man umgekehrt vor. Werden Fixsterne verwendet und die beiden Bilder trennen sich beim Verschieben zwischen den Fäden, dann liegt das Objektiv (dieses liegt auf der dem Auge entgegengesetzten Seite des Fernrohrs) zu nahe an der Instrumentenebene. Die Korrektur sollte mit den beiden sich gegenüberliegenden Schrauben der Doppelhalterung des Sextanten durchgeführt werden.

Durch Lockern der oberen und Anziehen der unteren Schraube kann das Fernrohr ausgerichtet werden. Bei überlappenden Bildern geht man umgekehrt vor. Die genannten Verfahren ermöglichen das Erkennen von Kollimationsfehlern durch Beobachten von Gestirnen. Es ist aber auch eine rein visuelle Überprüfung durch einfaches Betrachten des Gerätes möglich. Dazu setzt man das umkehrende Fernrohr ein und hält den Sextanten vorsichtig in einer solchen Lage, dass eine Abweichung der Fernrohrausrichtung von der Instrumentenebene klar erkannt werden kann. Schon ein Fehler von einem Grad wird auf diese Weise vom Auge sicher wahrgenommen. Diese Methode lässt sich auch als Routinecheck einsetzen.

Es gibt noch mehrere andere Testverfahren für den Kollimationsfehler. Die genannten sollten aber völlig ausreichend sein. Bei den meisten modernen Sextanten kann eine Kor­rektur dieses Fehlers allerdings überhaupt nicht durchgeführt werden, da viele Hersteller das als nicht erforderlich ansehen. Auf jeden Fall können die aufgeführten Tests mit nicht umkehrenden und mit Prismenfernroh­ren nicht durchgeführt werden, da diese kein Fadenkreuz besitzen. Diese Tatsache, sowie das Fehlen von Justierschrauben führen dazu, dass dieser Fehler vom Navigator heute in aller Regel nicht beachtet wird.

 
 

 
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