INDEXFEHLER


Sind Zeigerarm und Trommel auf null gestellt, müssen Horizontspiegel und Indexspiegel parallel zueinander stehen. Die Logik dieser Forderung ist leicht einzusehen, da sich der Messwert ja gerade aus dem Winkel der Spiegel zueinander ergibt. Befinden sie sich in der Nullstellung nicht parallel zueinander, ergeben sich notwendigerweise Fehler bei allen anderen Stellungen.

Ein Test auf diesen Fehler kann mit einem Fixstern, der Sonne oder auch der Kimm erfolgen. Wird ein Stern benutzt, stellt man den Sextanten auf die geometrische Nullstellung (Alhidade und Trommel auf null) und beobachtet einen niedrig stehenden Stern. Ist kein Indexfehler vorhanden, sollten das direkt gesehene und das reflektierte Bild genau zusammenfallen. In der gleichen Weise geht man bei Verwendung der Kimm vor. Hier sollten das direkt gesehene und das reflektierte Bild der Kimm ohne Stufe in einer geraden Linie ineinander übergehen.

Bei der Sonne kann man das reflektierte Sonnenbild einmal genau auf und einmal genau unter das direkt gesehene Sonnenbild setzen. Dabei müssen sich auf dem Vorbogen und auf dem Hauptbogen die gleichen Ablesungen ergeben. Zu beachten ist dabei, dass auf dem Vorbogen »rückwärts« abgelesen werden muss. Eine weitere Möglichkeit ist, horizontal zu messen und das reflektierte Sonnenbild einmal links neben das direkt gesehene und einmal rechts neben das direkt gesehene Sonnenbild zu setzen.
Beobachtet man also einen »Doppelstern«, oder weist die Kimm eine Stufe auf, oder ergeben sich bei Verwendung der Sonne ungleich große Messwerte, ist ein Indexfehler vorhanden, und es muss justiert werden. Dazu dient die zweite auf der Rückseite des Horizontspiegels vorhandene Justierschraube. Sie befindet sich an der Seite und ist nicht zu verwechseln mit der für die Korrektur des Kippfehlers gedachten Schraube oben oder unten.

Mann kann sich leicht klar machen, welche Schraube in Frage kommt. Die beiden Spiegel sollen bei der geometrischen Nullstellung (Zeigerarm und Trommel auf null) parallel zueinander stehen. Also muss der Horizont­spiegel um eine durch die Spiegelmitte gehende, senkrecht zur Instrumentenebene verlaufende Achse gedreht werden. Das aber ist offenbar eine andere Bewegung als die zur Beseitigung des Kippfehlers unter 2. beschriebene. Die zu verstellende Justier­schraube ist demnach die seitlich an der Rückseite des Horizontspiegels angebrachte Schraube.

Sowohl die für die Beseitigung des Kippfehlers als auch die für die Korrektur des Indexfehlers gedachte Justierschraube wirken auf den Horizontspiegel. Man muss sich klar machen, dass die beiden Schrauben nicht vollständig unabhängig voneinander wirken.
Das heißt, wird der Kippfehler korrigiert, ändert sich auch der Indexfehler ein wenig, und umgekehrt. Es ist daher sinnvoll, nach dem Korrigieren eines der beiden Fehler den jeweils anderen nochmals zu checken und erforderlichenfalls nachzukorrigieren. Das vollständige Entfernen beider Fehler kann zu einer ziemlichen Geduldsprobe werden, da beide Schrauben abwechselnd verstellt wer­den müssen. Selbst wenn man dabei sehr vorsichtig zu Werke geht, kann es vorkom­men, dass die Bemühungen nicht zum ge­wünschten Erfolg führen.

In einem solchen Fall ist es am besten, die Fehler zu halbieren. Das Instrument wird in die geometrische Nullstellung gebracht (Zei­gerarm auf null, Trommel auf null). Dann wird zunächst die Hälfte des Kippfehlers mit­hilfe der oberen oder unteren Schraube herausgedreht. Da dadurch wahrscheinlich der Indexfehler verändert wird, dreht man anschließend die Hälfte dieses Fehlers mit der seitlichen Justierschraube heraus.

Daraufhin wird die Hälfte des verbleibenden Kippfehlers entfernt. Diese Prozedur wird so lange wiederholt, bis beide Fehler beseitigt worden sind.

 
 

 
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